Elternkreis Suchtabhängiger e.V. Deggendorf-Mainkofen-Niederbayern


Co-Abhängigkeit

Durch den Konsum von Drogen leidet nicht nur der Süchtige selbst, sondern auch sein Familien- und Freundeskreis. Manche seiner Freunde und Verwandte wenden sich von ihm ab, wieder andere tun dies nicht. Dabei ist es ohne Bedeutung, ob sie von der Krankheit wissen oder nicht. Meist verbindet sich so etwas auch durch die Wesensänderung, welche der Süchtige durchmacht.

Niemanden jedoch kann ein Vorwurf gemacht werden, wenn er sich zum Schutz abwendet oder auch zu dem Süchtigen steht. Personen die weiterhin im engsten Vertrauenskreis des Süchtigen sind nennt man im allgemeinen auch Co-Abhängige. Keinem von ihnen ist es ohne Bedeutung, wenn der Süchtige sich mehr und mehr zu Tode bringt. Sie versuchen den Süchtigen mit allen Mitteln zu unterstützen und vergessen dabei auf sich selbst und ihre Gesundheit zu achten. Leider jedoch ist diese direkte Hilfe nicht immer von Vorteil und kann dem Süchtigen weit aus mehr schaden als helfen. „ Das Zusammenleben mit einem Suchtkranken ist äußerst anstrengend und nervenaufreibend. Er lässt sich zu Hause gehen und verunsichert alle mit seinen Launen. Unzuverlässigkeit, Wutanfälle und oft auch Gewaltausbrüche vergiften allmählich das Familienleben. Häufig kommen noch Geldprobleme dazu, weil der Süchtige seine Arbeit verliert oder sich die Angehörigen nicht mehr voll für ihren Beruf einsetzen können“ (Drogen/ ISBN 3-473-35464-3)

Co-Abhängigkeit äußert sich aber nicht nur psychisch, sondern auch körperlich. So wurde zum Beispiel festgestellt, dass viele Co-Abhängige weit aus früher als der Süchtige sterben und häufig an Krebs leiden. Die Co-Abhängigkeit beruht in erster Linie auf den Sorgen und Lasten, welche durch die Sucht des Kranken hervorgerufen werden. Diese Sorgen und Lasten manifestieren sich in einer schweren Krankheit, aus derer meist nur mit therapeutischer Unterstützung herausgefunden werden kann. In erster Linie versuchen Co-Abhängige den Süchtigen aus der Sucht zu befreien und ihm das Leben zu erleichtern. So will man ihm jegliche Möglichkeit des Konsums und der Beschaffung von Drogen versagen, indem man den Alkohol zum Beispiel aus der Wohnung schafft und mit dem Betroffenen Tag und Nacht zusammen ist. Der Süchtige fühlt sich durch dieses Verhalten entmündigt, gefangen und versucht sich aus diesen „helfenden Fängen“ zu befreien. So kommt es dass der Süchtige dann auch mal für einen größeren Zeitraum spurlos verschwunden, oder nicht erreichbar ist. Natürlich drückt eine solche Situation stark auf das Gemüt der Familie und den engen Freunden, welches wiederum starken Stress erzeugt.

Auch versuchen Co-Abhängige das Problem des Suchtkranken zu verheimlichen und ihn für eigene Fehler bei anderen zu entschuldigen. Viel zu oft wird die Sucht noch nicht als Krankheit, sondern vielmehr als eine Willensschwäche angesehen, was dazu führt, dass man sich als Co-Abhängiger Vorwürfe macht. Mit allen Mitteln wird die Sucht von den Angehörigen vor den öffentlichen Augen versteckt. Die Familie kapselt sich immer mehr vom öffentlichen Leben ab und versucht soweit wie möglich autark zu leben. Dieses Verhalten ist jedoch nicht positiv, denn der Betroffene wird nicht mit der Realität konfrontiert, für ihn wird es normal, dass Menschen seine Eskapaden aushalten und erdulden. Selbst wenn er sich in der Öffentlichkeit schamlos benimmt, wird er durch seine Familie in Schutz genommen und entschuldigt. Sicherlich ist dies eine Lobenswerte Tat, aber keine wirkliche Hilfe für den Süchtigen. Durch diese Schutzmaßnahme wird ihm leider nicht bewusst, wie schlimm es um seine Sucht steht und der Co-Abhängige selbst gerät immer mehr in psychische, körperliche und finanzielle Probleme. „Viele Angehörige merken lange Zeit nicht, dass etwas mit dem Vater, der Mutter oder den Kindern nicht stimmt. Oft verschließen die Angehörigen aber auch bewusst ihr Augen vor den auffälligen Verhaltensweisen und merkwürdigen Wesensänderungen. Sie wollen die Wahrheit gar nicht wissen, weil sie mit ihr nicht umgehen können. So schieben sie Stimmungsschwankungen, plötzliche Wutausbrüche und Streitlust, übertriebene Wehleidigkeit, Zurückgezogenheit, Unruhe oder Niedergeschlagenheit ihres suchtkranken Familienmitgliedes lieber auf harmlose Ursachen wie Überarbeitung, Lebenskrisen oder Alterserscheinungen.“

(Drogen/ ISBN 3-473-35464-3) Dieses „In Schutz nehmen“ geht bei Co-Abhängigen sogar soweit das sie aus Verzweiflung den Süchtigen vor Strafen, wie Gefängnis oder Polizei schützen wollen und so Alibis bzw. falsche Aussagen machen. Es kommt aber auch vor, dass sie Schnaps und Medikamente mitbringen, oder Rauschgift vom Dealer besorgen. Meist wirkt die Denkweise „ wenn er sich zu hause zudröhnt“ wissen wir wenigstens wo er ist und ob es ihm gut geht. Leider sind diese Verzweiflungstaten genau das Gegenteil von Hilfe und sorgen so für schreckliche Narben. Ich selbst habe schon erlebt, dass jemand eine Drogensüchtige bei sich zu hause aufnahm, weil sie obdachlos war. Er duldete das sie sich bei Ihm eine Fixe setzte. Leider jedoch war dies genau ihr Todesurteil, denn sie hatte eine Überdosis und er selbst wusste nicht was er machen sollte. Das Ergebnis dieser Hilfe wurde eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung. Sicherlich ist Hilfe positiv.

Doch für den Co-Abhängigen muss die Lebensdivise „Hilfe durch Nichthilfe“ lauten, denn nur so kann sich der Co-Abhängige wieder heilen und der Suchtkranke erkennen, dass er etwas an seinem Leben ändern muss. Viele Co-Abhängige sehen diese „ Nichthilfe“ als einen Verrat am Süchtigen, doch ist dies nicht der Fall. Erst wenn der Leidensdruck beim Süchtigen so hoch ist, dass er erkennt in welchem Schlammassel er hineingeraten ist wird er versuchen seinen Lebensweg zu verändern und professionelle Hilfe aufsuchen. Der Co-Abhängige kann ihn unterstützen, indem er in Informationen hinlegt über Drogenberatungen und Therapieeinrichtungen.


Ein paar wichtige Tipps, um einer Co-Abhängigkeit vorzubeugen!

Man flüchtet sofort, wenn jemand Gewalt androht! - Man sollte Hilfe aufsuchen, in allen Drogenberatungen wird stets auch Hilfe für Co-Abhängige angeboten! - Man sollte in erster Linie auf sich selbst achten und sich für sich selbst Zeit nehmen! - Man kann keine Suchtmittel verstecken oder den Konsum des Abhängigen kontrollieren! - Ich kann den Abhängigen nicht von seiner Sucht befreien und lasse ihn deshalb in Ruhe! Ich habe aber die Möglichkeit ihm Informationen über Drogenberatungen und Therapieeinrichtungen zu besorgen. - Ich bin nicht schuld an der Sucht. Jeder Mensch macht Fehler und man darf selbst auch Fehler machen! - Jegliche verbale Attacken und Kränkungen nehme lasse ich nicht an mich heran, denn der Süchtige ist krank und er kann durch sie die Kontrolle über sich selbst verlieren! - Auch ich habe das Recht glücklich zu sein und mich wohl fühlen! - Man kann den Süchtigen alleine lassen und muss nicht immer auf ihn Rücksicht nehmen! Mit all diesen Einstellungen kann man einer Co-Abhängigkeit vorbeugen, mir ist bewusst das all diese Sätze leicht zu schreiben sind, aber nie vollkommen erfüllt werden können. Auch ich mache mir Sorgen und trage an manchen Tagen eine schwere Last in mir. Aber nur, wenn wir auf uns selbst achten können wir dem Abhängigen helfen ohne uns selbst aufgeben zu müssen.