Elternkreis Suchtabhängiger e.V. Deggendorf-Mainkofen-Niederbayern


Tränen kullern über meine Wangen als ich den Bericht über Andreas und seiner Mama lese. Alles ist wieder ganz nahe es zerreist mir das Herz.

Weihnachten 2004 mein ältester Sohn Stefan bereitet sich gerade auf die Gesellenprüfung vor als mir die schleichende Veränderung von ihm auffällt. Ich spreche ihn darauf an er wiegelt mich ab, Prüfungsstress ist sein Argument. Dann übernimmt in die Firma er kommt auf das Schichtband ( 3 Schichtsystem ) dort ist er für die Maschinen zuständig muss alles überwachen. Er sagt er hat eine Freundin ich kenne sie nicht immer öfter bleibt er abends weg. Denke das ist normal bei dem Alter und einer Freundin. Trotzdem bin ich in Sorge frage nach, versuche mehr zu erfahren. Er blockt aber total ab.

Mitte März 2005 erfahren mein Mann und ich über Umwege das er Drogen nimmt. Meine Gedanken sind das ist der Anfang vom Ende. Aber wir werden um ihn kämpfen werden ihn da rausholen. Wir gehen zur Drogenberatung und sind total fertig als sie uns sagen dass wir absolut nichts machen können. Wir sollen auf uns selber achten was ist das für eine Hilfe für mein Kind. Ich schäme mich nicht für mein Kind und sage es den Verwandten und Freunden denn trotz den Drogen ist er mein Sohn und ich liebe ihn.

Ende März 2005 Mama sagt er nun wisst ihr ja Bescheid! Es folgen furchtbare Tage, Wochen, Monate. Wir schreien uns an, wir streiten, wir weinen, wir resignieren und wir hoffen. Seiner Arbeit geht er nach wie vor nach und ich wundere mich wie er das noch auf die Reihe bekommt. Zuhause schläft er nur noch oder nimmt Drogen. Mein zweiter Sohn kapselt sich immer mehr ab.

Juli 2006  Stefan besteht nur noch aus Haut und Knochen. Er hat zuviel konsumiert, wir rufen den Hausarzt. 2 Tage später ist er immer noch auf Drogen. Stefan geht zum Arzt in die Praxis einen Entzug lehnt er ab.

August 2006 Stefan ist im Drogenrausch. Mama ich habe furchtbare Angst. Mein Drogendealer hat gedroht dass er dich und meine kleine Schwester umbringt. Mama mich hat er heute Nacht fertig gemacht ich weiß nicht mehr weiter. Ich will zur Polizei. Mama ich habe so furchtbare  Angst wenn er kommt. Mama du und Jenny ihr seid in großer Gefahr. Stefan geht am selben Tag auf Entzug. 2 Wochen ist er dort, da sagt mir sein Arzt es ist momentan kein Therapieplatz mehr frei so kommt er wieder nach Hause.

Nach 3 Wochen geht er freiwillig nochmals auf Entzug und bleibt 20 Tage. Schließlich kommt er auf  Therapie. Ich bin erleichtert, nun hat er eine richtige Chance wir sind zuversichtlich können wieder besser schlafen. Regelmäßig besuchen wir ihn.

Weihnachten 2006 Stefan versaut sich seine Heimfahrt er will zu Freunden. Bevor er fährt kommt alles rechtzeitig ans Licht seine Heimfahrt wird gestrichen. Darauf verlängert man seine Therapie was er auch annimmt und einsieht.

Januar 2007 Angehörigenseminar Wir sitzen uns gegenüber. Stefan sag mir wo war ich nicht da, wo hättest du mich gebraucht, was habe ich falsch gemacht. Mama du hast überhaupt nichts falsch gemacht wenn jemand etwas falsch gemacht hat dann war ich das ich hätte “nein” sagen müssen als mir mein Drogendealer etwas angeboten hat. Aber ich habe ihm vertraut hab gedacht er sei für mich wie ein Vater und Bruder. Stefan warum hast du später nicht wenigstens deinen Bruder an dich Herangelaßen. Mama ich habe meinen Bruder gern ich hätte ihn da auch reingezogen ich wollte ihn schützen in dem ich ihn auf Abstand halte.

Stefan hat sich beworben alles ist genehmigt gleich im Anschluss an die  Therapie will er betreutes Wohnen in Anspruch nehmen circa 250km von zu Hause entfernt. Ich denke er schafft es.

Letzter Tag Therapie Das Telefon läutet nichts ahnend hebe ich ab. Stefan ist am Apparat. Hallo Mama ich bin es hab abgebrochen bin rückfällig geworden holst du mich ab, stehe schon am Bahnhof und warte auf dich. Keine Angst morgen bin ich wieder weg und suche mir eine Wohnung möchte noch 2-3 Nächte bei euch schlafen. Ich zittere am ganzen Körper kann unmöglich Autofahrern. Papa holt ihn ab. Wir führen ein langes Gespräch.

Juli 2007 Stefan zieht aus unterschreibt den Mietvertrag ich bin dabei. 1 Woche später er kommt samt Möbeln nach Hause. Er baut sie aber nicht mehr auf.

Oktober 2007 Stefan geht wieder zur Arbeit nach Norddeutschland, Wochenende kommt er nach Hause. Mama ich verdiene nicht schlecht und will sparen, habe auch schon etwas beiseite gelegt nächstes Mal wenn ich ausziehe und das werde ich, will ich das nichts mehr schief geht.

April 2008 freue mich unheimlich Stefan bringt mir Blumen. Mama Danke für alles er drückt mich. Mama die Blumen haben schon etwas gelitten habe sie den ganzen Weg von der Arbeit nach Hause gebracht. Ich denke heute ist Muttertag und Geburtstag zusammen. Mein Muttertag von Stefan ich bin glücklich. Die Blumen halten 14 Tage bis in den Mai hinein. Ein Montag im Mai Stefan ruft von der Arbeit aus an. Alles Gute zum Geburtstag Mama. Ich frage wir könnten zusammen feiern? Denn er hat gleich nach mir Geburtstag. Mama  feiere du schön ich lasse meinen Geburtstag ausfallen.

In der gleichen Woche am Samstag den 24.05.2008 ist Stefan an zu reinen Heroin verstorben

1 Tag vor seinem 23. Geburtstag haben Papa sein Bruder seine kleine Schwester und ich in beerdigt.

In Liebe Deine Mama